Verfasst von: equineinvestigator | April 15, 2008

Vitamin A und seine Wirkung auf Leistung und Fortpflanzung

Von Elenoor Reitsma

Vitamin A ist ein fettlösliches Vitamin das der Körper des Pferdes nicht allein produzieren kann und es daher in seiner täglichen Nahrung benötigt. In der Natur ist Vitamin A zum größten Teil durch Beta-Karotin in grünen Blättern und gelbem Gemüse enthalten.

Beta-Karotine werden in der Wand des Dünndarms durch Enzyme in Retinal aufgespalten. Dann wird das Retinal zu Retinol, einer Form von Vitamin A, reduziert, absorbiert und über die Lymphe zur Leber transportiert, wo es gespeichert wird. Eine gesättigte Leber kann genug Vitamin A für drei bis sechs Monate liefern. Um das Vitamin von der Leber freizusetzen durchläuft es einen chemischen Prozess und wird dann als freies Retinol and ein Protein gebunden, welches das Vitamin zum jeweiligen Ort des Körpers bringt, an dem es gebraucht wird. Beta-Karotin in Grasheu verringert sich durch Sonnenlicht, Hitze und Regen sehr schnell auf nur noch 15 Prozent der Ausgangsmenge. Heu, das älter als sechs Monate ist hat daher nur einen sehr geringen Beta-Karotingehalt. Pferde die keinen regelmäßigen Zugang zu grünen Weiden haben – was heutzutage üblich ist – und keine Möglichkeit haben ihren Vitamin A Haushalt auf anderem Wege – mit Kraftfutter zum Beispiel – aufrecht zu erhalten benötigen einen Vitaminzusatz.

Vitamin A ist für verschieden Prozesse des Körpers von Nöten: in den Augen hilft Vitamin A das Photopigment Rhodopsin vollständig zu regenerieren und ist daher wichtig für die Nachtsicht. Im Skelettapparat ist es nötig um den Knochenauf- und –abbau durch osteoblasten und osteoklasten aufrecht zu erhalten, besonders wichtig ist das in den wachsenden Jungpferden. Außerdem hilft ist es bei aktivitäten im epithelialgewebe wie zum Beispiel in der Plazenta.

In der Fortpflanzung ist Retinolsäure essentiell für die Entwicklung des Embryos und hat Einfluss auf die Wachstumshormone. Des weiteren ist Vitamin A wichtig um die mukösen Membranen aufrecht zu erhalten, die während des Trainings bedeutend belastet werden. In Ratten fand man heraus, dass Vitamin A für die normale Insulinproduktion wichtig ist.

Wie Sie also sehen können ist Vitamin A besonders wichtig für das Wachstum und die Fortpflanzung von Tieren – sozusagen überlebenswichtig für die Erhaltung der Art. In einer Studie mit Ponystuten die etwas zu wenig, etwas zu viel und viel zu viel Vitamin A gefüttert bekamen fanden die Forscher heraus, dass in allen drei Fällen das Wachstum unterdrückt wurde. Die Stuten mit etwas zu wenig Vitamin A zeigten einen verringerten Eisengehalt im Blutserum, außerdem zu wenig Albumin, Cholestero und natürlich Vitamin A in der Leber.

In einer sehr alten Studie von Rudra in 1946 litt ein Pony mit Vitaminmangel an Nachtblindheit, rauher Haut und „anderen Symptomen der avitaminose“ (in diesem Fall Vitamin A Mangel). Literatur der Ohio State Universität spricht davon, dass ein Mangel auch Atemwegsinfektionen, wässrige Augen und Durchfall zur Folge haben kann.

Forschung an den Auswirkungen von Zink und Vitamin A auf Durchfall und akuter Atemwegserkrakung bei Kinder, zeigte, dass kombinierte Zink und Vitamin A-Gabe die Häufigkeit von Durchfall und Lungenerkrankungen milderte. Zink allein war dafür bekannt diese Infektionen zu verstärken, aber der Vitamin A Zusatz hat diesen Effekt umgedreht.

Studien mit trächtigen Ratten zeigte, dass ein Vitamin A Mangel die Anzahl von Feten sowie die Überlebenschancen derer stark reduzierte. Eingeschränkte Libido und weiche Hoden bei Hengsten könnten Symptome eines Mangels an dem Vitamin sein, allerdings verbessert die Gabe von Vitamin A die Spermien qualität nicht.
Zu viel Vitamin A auf der anderen Seite kann zu Knochenschwäche, -überproduktion und vermehrter Blutgerinnung führen. In der gleichen Studie von Donoghue und Kollegen 1981 starben die Stuten an einer hohen Überdosis innerhalb von 40 Wochen und hatten eine verminderte Konzentration von Eisen, Albumin und Cholesterol im Blutserum; genau wie die Stuten mit zu wenig Vitamin A.
Es ist schwer eine Empfehlung bezüglich von Vitamin A Zusätzen zu geben. Es ist nicht nur abhängig vom Gewicht der Pferde, sondern auch vom Alter (im Wachstum oder nicht), der Arbeitsintensität, trächtigkeit/säugend oder nicht und so weiter. Obwohl das National Research Council Empfehlungen gibt haben der Forscher Greiwe-Crandell und Kollegen 1997 herausgefunden, dass diese nciht genug oder zumindest nicht dem Ideal für Pferde entsprechen, besonders wenn sie sich im Wachstum befinden.

Table 1. “Adequate concentrations of Vitamin A/kg total diet (assuming 88% DM)”

Erwachsene Perde

Erwachsene Pferd – mit intensiver Arbeit

Stuten in den letzen 90 Trächtigkeitstagen und Hengste

Säugende Stuten

Abgesetzte Fohlen

Jährlinge

Vitamin A (IU)

1600

1600

3500

3000

3000

3500

Source: Frape 2004


Wie nun ausreichend erwähnt wirkt Vitamin A sich stark auf die Fortpflanzungsorgane und besonders auf die Entwicklung des Embryos aus. Aber da Fohlen nur sehr wenig dieses Vitamins durch die Plazenta der Mutter erhalten werden sie mit einem Vitamin A-Mangel geboren. Die erste Quelle für den wichtigen Nährstoff ist das Kolostrum, die erste Milch, der Stute. Daher ist es besonders wichtig, dass die Stute einen ausreichenden Vitamin A Vorrat für sich und das Fohlen zu Verfügung hat. Immer wieder sollte man sich aber auch bewusst machen, dass eine Überdosis noch schädlicher sein kann als ein Mangel.

Da das Vitamin eine positive Wirkung auf Wachstumshormone zu haben scheint ist es wichtig jungen Pferden genug Vitamin A zur Verfügung zu stellen. Wenn das nicht der Fall ist, können sie in der Entwicklung soweit zurückfallen (Gewicht und Größe), dass es später nicht mehr einzuholen ist und dadurch zu späterem Leistungsverlust führen kann.

Im Allgemeinen kann sich die Leistung von Pferden dadurch verringern, dass sie durch Vitamin A Mangel oder Vergiftung anfälliger für Atemwegserkrankungen, Durchfall, Nachblindheit, Knochenschwäche, etc. sind. Atemprobleme sind ohnehin schon eines der häufigsten Einschränkungen bei Sportpferden. Außerdem werden die Knochen bei sportlicher Betätigung besonders belastet, wenn die Knochen dann nicht stark genug oder falsch geformt sind, sind sie eventuell nicht in der Lage der Beanspruchung des Leistungssports stand zu halten. Andere Anzeichen von Vitamin A-Mangel oder Überschuss können zu einem allgemenin ungesunden Zustand führen indem das Pferd nicht an seine Leistungsgrenzen gehen kann.

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