Verfasst von: equineinvestigator | April 21, 2008

ET – Embryo Transfer

Viele von Ihnen kennen sicher die Stute Weihaiwej, geritten von Franke Sloothaak, der Team- und Einzelgold bei den Weltmeisterschaften im Jahr 1994 holte. Und Weihaiwej hat sieben Fohlen, obwohl sie nie selbst eines davon geboren hat. Wie soll das denn gehen?

Durch das Wunder der Technik, in diesem Falle Embryotransfer. Weihaiwej wurde künstlich befruchtet, das befruchtete Ei wurde aus ihrer Gebärmutter entfernt und in die einer anderen Stute eingepflanzt.

2000 berichtete der Wissenschaftler Vanderwall, dass Embryotransfer heutzutage die meist-verwendete Reproduktionstechnik ist, die es erlaubt auch aus weniger fruchtbaren oder kranken Stuten Fohlen zu gewinnen. Oder eben auch aus Sportpferden, die keine „Babypause“ in Trainings- und Turniersaison einlegen sollen. Bei diesen Pferden ist der offensichtliche Vorteil auch, dass man mehr als ein Fohlen pro Jahr produzieren kann. Außerdem haben durch die Technik auch junge zwei-jährige Stuten Fohlen bekommen, was bei wertvollen und vielversprechenden Fohlen einen großen Vorteil für den Züchter darstellt.

Das erst Fohlen aus Embryotransfer wurde in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts geboren. Aber wirkliche Annerkennung erntete die Technik innerhalb der Pferdeindustrie nicht vor den Achtzigern. 1987 führte der Wissenschaftler Sirois und Kollegen ein Experiment durch, in dem er versuchte so viele Fohlen wie möglich von ausgewählten Zuchtstuten innerhalb einer Decksaison zu erhalten. Das Experiment umfasste nur fünf Spenderstuten, 25 mal wurden Embryos entnommen, jeweil sechseinhalb Tage nach dem Eisprung. 17 Embryonen wurden gewonnen, 13 wurden direkt weiter eingepflanzt, drei wurden eingefroren und eines ging verloren. Von den 13 eingepflanzten begannen acht sich zu entwickeln, aber nur fünf (38%)waren letztendlich voll entwickelt und geboren. Um das ganze zusammen zu fassen: Fünf Spenderstuten haben fünf Fohlen produziert, während sie drei Monate lang mit dem Training ausgesetzt haben.

Und obwohl der Verlust an Embryonen relativ hoch erscheint, zeigt es doch, dass man die notwendige Trainingspause schon erheblich verkürzen kann. Außerdem ist nicht zu vergessen, dass dies nur die Anfänge dieser Technik waren, seit 1987 hat sich schon einiges verbessert.

Bevor man nun die Möglichkeit des Embryotransfer in Erwähgung zieht, ist eine gründliche Untersuchung der Spenderstute nötig, um sicher zu gehen, dass diese sich in einem optimalen und gesunden Zustand befindet und keinerlei abnormale Zyklen durchläuft. Ähnlich wie bei der althergebrachten Zucht beginnt dann der Prozess indem die Stute auf ihre Reproduktionsbereitschaft untersucht wird; durch Antesten des Verhaltens mit einem Hengst, Abtasten und Ultraschall Untersuchungen. Die Wissenschaftler Hopkins und Meadows empfehlen Stuten zwischen drei und zehn Jahren als am besten. Vanderwall erklärt weiter, dass die Synchronisation der Zyklen der beiden Stuten durch Hormone, wie zum Beispiel Prostaglandin, zustande gebracht werden kann. Bereit zum Transfer sind die Pferde, wenn die Empfängerstute ihren Eisprung von einem Tag vor bis zu drei Tagen nach der Spenderstute hat. Seiner Meinung nach ist der optimale Zeitpunkt um den Embryo zu entnehmen sieben bis acht Tage nach dem Eisprung der Spenderstute. Der Eingriff um des Entnehmens ist nicht chirurgisch sondern mithilfe einer sogenannten transcervicalen uterinen lavage. Die Gebärmutter wird dabei mit einer Flüssigkeit ausgespült und dann nach Embryonen untersucht. In 50 bis 80 Prozent der Fällen werden ein bis zwei Embryonen gefunden. Der Embryo wird dann bei Raumtemperatur innerhalb einer Stunde nach der Entnahme in die Empfängerstute eingesetzt. Auch das Einsetzen kann – und wird in den meisten Fällen – ohne chirurgische Methoden durchgeführt werden, muss es aber nicht. Laut einer Studie von 2003 liegt die Wahrscheinlich keit eines erfolgreichen Embryotransfers durch nicht-chirurgisches Einpflanzen bei etwas 40 bis 70 Prozent.

Ed Squires, ein Pionier in der Entwicklung dieser Fortpflanzungstechnik bei Pferden, spricht von einer enormen Entwicklung im Jahre 1999, als es möglich wurde Embryonen bei fünf Grad Celsius aufzubewahren. In diesem Zustand bleiben sie mindestens 24 Stunden lebensfähig und konnten so auch zur Empfängerstute transportiert werden.

Im Jahr 2007 scheint sogar diese Technik schon etwas veraltet als das amerikanische Magazin „The Horse“ berichtet, dass Embryonen nun auch für Monate am Leben erhalten werden können; mit einer Erfolgsrate von 60 bis 70 Prozent. In der heutigen globalen Zucht-Industrie ist das eine Überaus wichtige Entwicklung.

Trotzalledem kann der Embryotransfer bei Pferden nicht mit dem in Rindern oder anderen Tieren verglichen warden. Sogenannte Superovulation (wenn sich mehrere Follikel bilden) die bei vielen anderen Gattungen genutzt wird bleibt bei Pferden schwierig. Die Superovulation wird durch verschiedene Hormone hervorgerufen. In einer Studie der Universität von Colorado versuchten die Wissenschaftler ein solches Hormon von Schafen oder Schweinen zu extrahieren und damit mehrfache Eisprünge bei Pferden zu erreichen. Die Ergebnisse zeigen allerdings nur sehr geringen Erfolg.

Seit 2004 produziert die kanadische Firma Bioniche eine Variante dieser Hormone für Pferde (eFSH = equien follicle stimulating hormone), welches die Superovulation bei Pferden möglich machen soll. Das Team der Universität von Colorado spielte eine große Rolle in der Forschung um eFSH und hat zum großen Teil gute Ergebnisse damit erzielt. Eine weitere Studie zeigte, dass sich die Entwicklung der Follikel (Eier) zwar verbesserte, aber die Anzahl von Follikeln pro Eisprung nicht wesentlich höher war als ohne hormonelle Behandlung (2,3 im Gegensatzu zu1,5). Aber erzielte es ein gutes Ergebnis, wenn es darum ging wieviele Embryonen sich entwickelten und entnommen werden konnten: 1,3 Embryonen pro Zyklus, während es nur 0,5 Embryonen ohne Behandlung gab. Weitere Studien sind noch nötig um die Wirkung des eFSH zu bestätigen.

Embryotransfer ist eine fortgeschrittene Technik in der Fortpflanzung. Aber trotz aller Vorteile wurde auch Kritik laut. Züchter und Pferdebesitzer hatten Nachteile, dadurch, dass Zuchtverbände keine einheitlichen Regelungen zur Registrierung dieser Fohlen haben. Laut Ed Squires schöpft die Industrie die Möglichkeiten des Embryotransfer nicht voll aus. Bis heute bleibt die Prozedur sehr kostenintensiv. Kosten zwischen 2.000 und 5.000 US Dollar werden genannt, die sind allerdings inklusive einer Leihstute.

Wenn man über den großen Teich in die USA schaut, hat sich dort die Nutzung des Embryotransfers in den Jahre 2002 und 2003 stark erhöht, als Folge von Änderungen, die einige Zuchtverbände vorgenommen haben. Die Verbände für Quarter und Paint Horses, Araber, Appaloosa und Pasofino erlauben es mittlerweile das mindestens ein ET-Fohlen pro Stute und Jahr registriert werden darf. Nur die Vollblüter erlauben nach wie vor keinerlei Technik in ihrer Zucht.

Obwohl es also sehr teuer ist, ist Embryotransfer sehr nützlich für wertvolle Stuten deren genetisches Material auch ohne natürliche Trächtigkeit und Geburt weiter gegeben werden soll. Weitere Forschung ist nötig um die Erfolgsraten dieser Technik weiter zu verbessen, das würde auch die Kosten senken. Und für eine solide Basis ist es wichtig, dass Zuchtverbände ihre Regeln an moderne Technik anpassen. Anders kann diese nie ihr ganzes Potential erreichen.

References

AAEP Convention 2006: Reproduction, ‘Superovulation and Embryo Transfer’, Retrieved from The Horse magazine (www.thehorse.com), Article # 9184, March 01 2007

Bowen, MJ, Salsbury, JM, Bowen, JM, Kramer, DC 1985, ‘Non-surgical embryo auto-transfer in the mare’, Equine Vet J 3 (Suppl): 100-02

Hopkins, FM, Meadows, DG 2003, ‘Embryo Transfer in Mares’, The University of Tennessee, TNH-1003 2/03, Retrieved from Agricultural Extension Service (www.utextension.utk.edu)

Hudson, JJ, McCue, P 2004, ‘How to Increase Embryo Recovery Rates and Transfer Success’, 50th Annual Convention of the American Association of Equine Practitioners, 2004 – Denver, CO, USA, (Ed.). Publisher: American Association of Equine Practitioners, Lexington KY., Retrieved from International Veterinary Information Service (www.ivis.org), Last updated: 4-Dec-2004; P1473.1204

Sirois, J, Betteridge, KJ, Brault, A 1987, ‘Transcervical Embryo Transfer in Horses: An Application in an Equestrian Teaching Center’, Can Vet J Volume 28, No. 12 December 1987

Smith Thomas, H 2007, ‘Embryo Transfer: Who’s Your Mama?’, Retrieved from The Horse magazine (www.thehorse.com), Article # 8822, February 01 2007

Squires, E, McCue, PM, Vanderwall, DK 1999, ‘The current status of equine embryo transfer’, Recent Advances in Equine Theriogenology, Issue 01/99, 51(1):91-104

Squires, E 2001, ‘Artificial Reproductive Technologies – Is the Horse Industry Ready? – Interview with Ed Squires, Retrieved from Australian Government Equine Research and Development Program (http://www.usyd.edu.au/su/rirdc/articles/index.htm), Issue 03/01

Vanderwall, DK 2000, ‘Current Equine Embryo Transfer Techniques’, Retrieved from International Veterinary Information Service (www.ivis.org), Document No. A0204.0400


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