Verfasst von: equineinvestigator | April 17, 2008

Cushings Syndrom (Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion)

Von Caroline Dach

Sind Ihnen schon einmal Pferde mit dickem, gelockten Haarkleid, wenig Muskeln, aber dafür viel Fett an ungewöhnlich Stellen aufgefallen? Meistens sind es ältere Tiere, die diese Anzeichen für Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion (PPID) zeigen, auch bekannt als Cushings Syndrom.

1998 fanden die Forscher Fey et al., dass in der Mehrheit der Fälle PPID durch einen dramatischen Anstieg der Hormonproduktion in den Zellen der Pars intermedia der Hirnanhangdrüse ausgelöst wird. Am meisten betroffen sind Pferde im Alter von 18 bis 23 Jahren. Die erhöhte Hormonproduktion führt dann zur sogenannten Hyperplasie, einer Vergrößerung des Organs, was wiederum dazu führen kann, dass sich ein gutartiges Geschwulst (auch Adenom) bildet. Alle equinen Arten, also auch Esel und Mulis, können von PPID betroffen sein, allerdings scheint es ein höheres Risiko für Ponies und Morgan Horses zu geben. Es gibt aber im Moment noch keine zuverlässige Studie, die dieses erhöhte Risiko bestätigt.

Diagnose

1999 hat der amerikanische Veterinär Messner Richtlinien zur Diagnose von PPID veröffentlicht. Die Diagnose sollte auf der Grundlage von klinischen Anzeichen und endokrinologischen (Hormon) Tests durchgeführt werden. Das auffälligste klinische Anzeichen ist das extrem lange Fell, welches nicht auch nicht abgeworfen wird. Außerdem zeigen betroffene Tiere Symptome wie Lethargie, verringerte Leistung, ungewöhnliche Zahnentwicklung, Fettdepots am Hals, Schweifansatz und über den Augen, Unfruchtbarkeit, Muskelrückbildung im Rücken und der Hinterhand und chronische Hufrehe und Infektionen. Laut Messner sind weibliche Tiere öfter vom langen Haarkleid betroffen, aber auch hier gibt es keine nachhaltigen Studien.

Zu diesen offensichtlichen klinischen Anzeichen sollte wie gesagt auch der Hormonhaushalt kontrolliert werden. Die am häufigsten verwendeten Tests sind der DST (Dexamethasone Unterdrückender Test) und TRH (Thyrotropin Auslösndes Hormon – Test). Messner beschreibt das Verfahren des DST wie folgt: Der Test sollte sollte zwischen 16 und 18 Uhr verabreicht werden. Nachdem eine Ausgangsprobe genommen wurde werden 2 Milligramm Dexamethasone pro 50 Kilogramm Körpergewicht verabreicht. 19 Stunden nach der Dexamethasonegabe wird eine weitere Probe genommen. Nichtbetroffene Pferde werden einen Kortisolspiegel von weniger als 1 μg/dl, betroffene Pferde von mehr als 1 μg/dl aufweisen. Die Meinungen über diese Art von Test sind aber sehr verschieden. Schott zum Beispiel weist darauf hin, dass einige Veterinäre den DST als das Optimum der PPID-Diagnose betrachten. Er selbst allerdings befürchtet, dass dieser Test Hufrehe auslöst oder vorhandene Hufrehe noch verschlimmert. Aber auch zu dieser Behauptung fehlen noch nachhaltige Studien.

Der TRH-test wird besonders oft in Großbritannien verwendet, denn es wurde behauptet das er in Bezug auf Hufrehe sicherer ist als der DST. Für den TRH-test wird ein Milligramm Thyrotropin auslösendes Hormon verabreicht (0,5 Milligram bei Ponies). Davor, 15 Minuten danach und 60 Minuten danach wird dann der Kortisolspiegel im Blutplasma gemessen. Die Erfahrungen von McGowan (2005) zeigen, dass der TRH-test nicht besonders verlässlich ist, da die Interpretation der gemessenen Kortisolkonzentration schwierig ist. Auch Schott (2006) bestätigt diesen Eindruck vom TRH-test.

Um diese Probleme zu umgehen hat die Universität von Tennessee eine Kombination aus DST und TRH entwickelt. Die Grundidee ist es Dexamethasone und drei Stunden später das TRH zu verabreichen um den Kortisolspiegel der Ausgangsprobe bei betroffenen und nicht-betroffenen Pferden auf ein ähnliches Level zu bringen. Ein Bericht aus der Praxis zeigte, dass dieser kombinierte Test präziser war (81 Prozent der Fälle) als die beiden Tests allein (jeweils DST & TRH à 71 Prozent der Fälle). Auf der anderen Seite weist Schott darauf hin, dass die endokrinologischen Tests seltener auf PPID nachwiesen als es das offensichtiche Anzeichen, das lange Fell, tat (86 Prozent der Fälle). Daher ist es offensichtlich, dass die endokrinologischen Untersuchungsmethoden in jedem Fall noch Raum für Verbesserung geben.

Behandlung

Nichtsdestotrotz wollen Pferdebesitzer ja die beste Behandlung für ihre Pferde. Als Resultat von verbesserter Gesundheitsvorsorge wurde PPID in den vergangenen zehn Jahren viel öfter erkannt.

Aufgrund dem jährlichen Treffen der Amerikanischen Vereinigung von Pferde Tierärzten im Jahr 1995, begann die Universität von Michigan mit dem zwei Jahre dauernden „Michigan Cushing’s Project“. Das Ziel war herrauszufinden, ob es Unterschiede in klinischen und endokrinen Reaktionen auf die Behandlung mit Cyproheptadin, Pergolide oder ohne Behandlung gibt. Cyproheptadin und Pergolide waren zu der Zeit die meistverwendeten Arzneien in den USA, um PPID zu behandeln. Außerdem haben auch sie sich mit den Unterschieden und der Effektivität zwischen dem DST und TRH-test befasst.

147 Pferde wurden auf PPID getestet, 77 von ihnen waren betroffen. Die betroffenen Pferde waren zwischen 12 und 34 Jahren alt und aller verschiedenen Rassen. 48 Prozent waren Stuten, 49 Prozent Wallache und 3 Prozent Hengste. Die klinischen Symptome und endokrinen Testergebnisse wurden nach sechs bis zwöf Monaten mit den Ausgangswerten verglichen. Die Verbesserungen der Pferde, die mit Pergolide behandelt wurden, waren am stärksten. Ein paar Pferde reagierten auf Cyproheptadine und kein einziges besserte seinen Zustand ohne Behandlung. Die mit Pergolide behandelten Pferden zeigten zum größten Teil normale Werte beim DST und TRH-test, auch die Kortisol- und Serum-Insulinkonzentration reduzierte sich wieder auf Normalniveau nach sechs bis zwölf Monaten.

Der Michigan-Studie nach ist Pergolide also das effektivste Mittel zur Behandlung von PPID-erkrankten Pferden. Die Unterschiede zwischen den Tieren, die keine Behandlung und die, welche die Cyproheptadine-Behandlung erfahren haben war überraschend gering. Daher scheint das Cyproheptadine kein effizientes Mittel zu sein. Im Vergleich zu den beiden bisherigen endokrinen Tests zeigten die Messungen des Kortisol- und Serum-Insulinspiegel falsche Ergebnisse, sowohl ins negative als auch ins positive. Schott empfiehlt daher diese Tests nicht zu nutzen.

Mit den Vorteilen von Pergolide im Hinterkopf ist es interessant, dass der Forscher Beech 2002 eine Studie angestellt hat, in der er die Wirkung des Extrakt aus Vitex agnus-castus (Mönchspfeffer) mit Pergolide verglichen hat. In der Vergangenheit wurde Vitex agnus-castus benutzt um Zyklusstörungen bei Frauen zu behandeln, und einige Wirkungen ließen darauf schließen, dass es bei PPID helfen könnte. Beech allerdings fand heraus, das dies nicht der Fall ist. In einigen Fällen haben sich die Symptome sogar verschlechtert. Und nur bei einem einzigen Pferd verbesserte sich der Zustand nach einer Behandlung mit Pergolide nicht. Die Studie wurde allerdings nur mit 14 Pferden durchgeführt.

Allerdings stellte sich vor ungefähr einem Jahr (in 2007) ein Problem für die Pferdewelt der USA dar. Pergolide war bisher ein Medikamt für den Gebrauch bei Menschen mit Parkinson. Es zeigte sich allerdings, dass es Schäden an den Herzklappen verursacht und wurde daher vom Markt genommen; das Pergolide-enthaltende Produkt Permax sowie die zwei Nachahmerpräparate Par und Teva. Pergolide war nicht für den Gebrauch im Veterinärbereich zugelassen, daher waren alle Pferde, die bisher mit dem Mittel behandelt wurden, davon betroffen. Außerdem gab es keine legal Möglichkeit für die Händler, den Wirkstoff ins Land zu bringen, da es durch die Food and Drug Administration (FDA) verboten wurde. Um das Problem zu lösen müsste die FDA erlauben, dass Mittel für veterinärische Behandlungen zu verwenden. Tierärzte vermuteten, dass ungefähr 60.000 Pferde betroffen waren. Am 11.Mai, 2007 wurde nach sechs Wochen Kämpfens Pergolide für den Gebrauch bei Pferden zugelassen.

Fazit

Im Rückblich auf die Studien ist Pergolide eindeutig das ergiebigste Mittel um Pferde mit PPID erfolgreich zu behandeln. Aber trotzdem ist weitere Forschung nötig. Unter anderem müssen die endokrinologischen Test verbessert werden, die Frage, ob DST wirklich Hufrehe fördert muss geklärt werden und das erhöhte Risiko für Ponies und Morgan Horses ist noch immer nicht geklärt.

References

Beech, J, Donaldson, MT & Lindborg, S 2002, ‘Comparison of Vitex agnus castus Extract and Pergolide in Treatment of Equine Cushing’s Syndrome’, AAEP (American Association of Equine Practitioners) Proceedings, Vol. 48, Retrieved from International Veterinary Information Service (www.ivis.org)

McGowan, CM 2005, ‘Diagnosis and treatment of equine cushings syndrome’, Clinical Review, Retrieved from The Veterinarian (www.theveterinarian.com.au), Issue Feb 2005

DIAVET 2005, ‘Das Equine Cushing Syndrom’, aktualisierte Ausgabe 7/2005, Retrieved from DIAVET Laboratorien (www.diavet.ch)

Fey, K, Jonigkeit, E, Moritz, A 1998, ’Equine Cushing syndrome (ECS). Case report, review of its diagnosis and therapy and substantial differences from Cushing syndrome in dogs’, Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere, 1998 Feb;26 (1):41-7

Messer, NT 1999, ‘How to Diagnose Equine Pituitary Pars Intermedia Dysfuntion’, AAEP (American Association of Equine Practitioners) Proceedings, Vol. 45, Retrieved from International Veterinary Information Service (www.ivis.org)

Ryder, E 2007, ‘Equine Cushing’s Drug Pergolide to be Withdrawn for Human Use’, Retrieved from The Horse magazine (www.thehorse.com), Article # 9317, April 04 2007

Ryder, E 2007, ‘Pergolide: Veterinarians, Horse Owners Fighting for Availability’, Retrieved from The Horse magazine (www.thehorse.com), Article # 9405, April 17 2007

Ryder, E 2007, ‘Pergolide Availability: No FDA Announcement, Supplies Running Low’, Retrieved from The Horse magazine (www.thehorse.com), Article # 9526, May 04 2007

Ryder, E 2007, ‘Pergolide: FDA to Allow Compounding from Bulk’, Retrieved from The Horse magazine (www.thehorse.com), Article # 9573, May 11 2007

Schott et al. 2001, ’The Michigan Cushings’s Project’, AAEP (American Association of Equine Practitioners) Proceedings, Vol. 47, Retrieved from International Veterinary Information Service (www.ivis.org)

Schott, HC 2006, ‘Pituitary Pars Intermedia Dysfunction: Challenges of Diagnosis and Treatment’, AAEP (American Association of Equine Practitioners) Proceedings, Vol. 52, Retrieved from International Veterinary Information Service (www.ivis.org)


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