Verfasst von: equineinvestigator | April 15, 2008

Magengeschwüre – Eine viel zu Häufige Krankheit

Von Audrey Burkard

Zeigt eines der Pferde das Sie kennen kronischen Durchfall, Koliken, schlechte Leistung, Gewichtsverlust, schlechten Appetit, Veränderungen im Verhalten oder uriniert es öfter als normal? All das können Anzeichen für ein Magengeschwür sein: EGUS, kurz für Equine Gastric Ulcer Syndrom.

EGUS ist eine Verletzung in der Magenschleimhaut. Meistens treten sie im oberen Teil des Magens auf. Dort gibt es keine Drüsen, die Magensäfte produzieren, aber auch keinen Schutz vor der aggressiven Säure. Die Krankheit entwickelt sich wenn schützende und anregende Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten. Schützende Faktoren sind zum Beispiel eine ausreichende Durchblutung und die basische Schicht der Schleimhaut, welche die Magensäuren puffern. Anregende Faktoren sind zum größten Teil Säuren wie die Hydrochloridsäure des Magens, die 24 Stunden am Tag produziert werden, oder die Säfte der Bauchspeicheldrüse. Bei einem Ungleichgewicht greifen diese Säuren die Magenschleimhäute an.

Aber was löst dieses Ungleichgewicht aus? Studien zeigen mehrere Ursachen: Training, Boxenhaltung, Fütterung und Transport. Es wurde herausgefunden, dass Pferde in hartem Training am häufigsten unter EGUS leiden und eine Verbindung zwischen der Intensität des Trainings und den auftretenden Geschwüren gibt. Das zeigte sich in einer Studie durch Dionne und Kollegen im Jahre 2003, in der die Häufigkeit von Geschwüren anstieg sobald die Trainingsintensität erhöht wurde. Außerdem hatte auch die Dauer des Trainings einen negativen Einfluss auf die Häufigkeit und Schwere der Krankheit. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Disziplinen des Reitsports. Verschiedene Studien unter Sportpferden zeigen, dass zum Beispiel Spring- und Dressurpferde zu 58 bis 63 Prozent von Geschwüren betroffen sind, während Westernpferde nur zu 40 Prozent und Rennpferde, aufgrund des intensiven Trainings, bis zu 90 Prozent betroffen sind.

Gründe für sportliche Bewegung als Auslöser sind zum Beispiel die verringerte Durchblutung während des Trainings. Außerdem kommt es besonders bei Rennpferden vor, dass während eines Sprints der untere Teil des Magens mit der Magensäure gegen den oberen ungeschützen Teil des Magens gedrückt wird. Dadurch sinkt der pH-Wert in den sauren Bereich und greift die Schleimhäute an. Aber nicht nur Pferde in hartem Training sind gefährdet. Sogar 37 Prozent der Freizeitpferde in einer Studie haben nachgewiesener Maßen eine angegriffene Magenschleimhaut. In einer anderen Studie wurden Pferde transportiert, leichtem Training unterzogen und zweimal am Tage gefüttert. Hier zeigten die Wissenschaftler, dass sich schon nach sieben Tagen das EGUS in den Pferden entwickeln kann, durch Beansprachung verschiedener Art. Fast scheint es mit Menschen, die unter starker Beanspruchung (Stress) Magengeschwüre entwickeln.

Jede Art von Stress, wie zum Beispiel Transport, sorgt für einen Anstieg des Cortisolspiegels im Körper des Pferdes. Cortisol wiederum lässt das Prostaglandin E sinken, welches für die Unterdrückung von HCl Säure verantwortlich ist. Demnach sind Pferde unter ständigen Stress stark gefährdet Magenirritationen zu entwickeln. Wenn wir uns aber nun die vorher erwähnten Westernpferde ansehen lassen sich schon Faktoren erkennen die etwas mehr oder eben weniger dazu beitragen. Die Westernpferde der jeweiligen Studie wurden alle innerhalb von 28 Tagen mindestens 300 Kilometer transportiert. Daher scheint es zweifelhaft, dass der Transport von Pferden als Hauptfaktor zu EGUS beiträgt. Auf der anderen Seite könnte man auch vermuten, dass bestimmte Rassen anfälliger sind als andere und Quarter Horses in dem Fall eben weniger anfällig sind. Den Gedanken kann man sicher noch weiter ausführen, wenn man den ruhigen und gelassenen Charakter von Quarter Horses mit nervösen Tieren wie oftmals bei Vollblütern vergleicht. Oder auch wenn man sich einmal fragt ob Warmblüter unter dem Trainingspensum eines Vollblüters vielleicht die gleiche Häufigkeit von Geschwüren zeigen würden.

Aber auch das sind noch nicht alle Gründe für eine solche Krankheit. Wie schon vorher erwähnt kann auch die Fütterung eine entscheidende Rolle in der Gesundheit unserer Pferde spielen. Dabei ist es immer wichtig sich daran zu erinnern, dass das Pferd von Urzeiten an ständig kleine Mengen an fasrigem Futter zu sich genommen hat (Gras, Heu und Holz). Bis zu 16 Stunden verbringen Pferde in der Natur mit Fressen. Da ist es schon verständlich, dass drei Futterrationen pro Tag Probleme verursachen können. Nahrung mit hohem Kohlenhydrat- und Proteinanteil, wie die meisten Kraftfuttersorten, lösen bewiesenermaßen auch Magenirritationen aus. Das Getreide und Pellets sind schon allein sehr viel schneller aufgefressen als dies bei Heu oder Gras der Fall ist. Und auch der hohe Anteil an löslichen Kohlenhydraten aus Stärke und Zucker ist schneller absorbiert und damit der Magen schneller wieder leer. Das Problem liegt hierbei in der ständig produzierten Magensäure. Diese wird besonders durch den basischen Speichel neutralisiert, der beim Kauen im Maul produziert wird. Wenn nun längere Zeiten nichts gekaut werden muss fehlt auch der neutralisierende Speichel und der pH-Wert im Magen sinkt in den sauren Bereich ab. Noch dazu lösen Kraftfutter eine starke Gastrin- und Histaminproduktion aus, Stoffe die im Überschuss auch die Entstehung von Geschwüren fördern. So entsteht also das Ungleichgewicht zwischen schützenden und auslösenden Faktoren.

So kompliziert und dabei ist die Lösung doch so einfach. Fasern wie Heu beziehungsweise Gras bleiben wesentlich länger im Magen und absorbieren auch eine große Menge and Magensäuren. Außerdem werden sie länger gekaut (bzw. gemahlen) was wiederum die Speichelproduktion anregt. Bestimmte Heusorten bewiesen sich sogar als besonders geeignet für Pferde, die „EGUS-gefährdet“ sind. Alfalfa (blaue Luzerne) zum Beispiel wirkt sich durch seine stark neutralisierenden Eigenschaften als vorbeugend auf den Organismus aus.

Nun noch zu einem letzten und oft vernachlässigtem Punkt. EGUS steht oft, wenn nicht immer, in direkten Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten, sogenannten Stereotypen. Wie schon erwähnt ist es nötig, dass Pferde einen großen Teil des Tages fressend verbringen um die Säuren im Magen zu neutralisieren. Stereotypen wie Koppen oder Kauen an Holz sind Ausdrücke für einen Mangel an oraler Aktivität. Eine Vermutung von Wissenschaftlern ist, dass mit diesem Verhalten „schmerzlindernder Speichel“ produziert werden soll. Diese Verbindung zwischen der körperlichen Krankheit, dem Geschwür, und der Verhaltensauffälligkeit (ist es nicht auch eine Art Krankheit) machen die Dimensionen vielleicht etwas klarer. Allerdings gibt es sicher noch beunruhigendere Fälle, als die die klinische Symptome zeigen. Viele Studien zeigen Pferde mit Geschwüren, die aber gar keine Anzeichen dafür haben. Wieviel Pferde also leiden still vor sich hin? Und wenn auch Verhaltensauffälligkeiten ein Ausdruck von Krankheit oder zumindest Unwohlsein sind, wie erst geht es den Pferden, die keinerlei Symptome zeigen, aber in derselben Umgebung leben?

Die Diskussion über Stereotypen ist schon wieder eine ganz andere, aber Zusammenhänge bestehen trotzdem. Überraschenderweise bin ich nicht auf einen einzigen Artikel gestoßen, in welchem die Krankheit EGUS offensichtlich als Folge von schlechter Haltung behandelt wurde. Deshalb möchte ich gerne betonen, dass EGUS eine vom Menschen geschaffene Krankheit unserer Pferde ist; ausgelöst durch mangelhafte Haltungsmethoden, wie Fütterung, Training und Behausung.

Fragen an die Authorin? Oder weitere Erklärungsbedarf zu den Themen Fütterung, Magengeschwüre oder Verhaltensauffälligkeiten? Dann schreiben Sie uns unter: info@equineinvestigator.com

References:

Andrews FM (2005), “Ulcers in the Stomach and Colon; Diagnosis and Treatment: A Pain in the Gut!” American Association of Equine Practitioners – AAEP –

Focus Meeting, 2005 – Québec, QC, Canada; available from www.ivis.org

Andrew FM, Bernard WV, Byars TD (1999), “Recommendations for the diagnosis and treatment of equine gastric ulcer syndrome (EGUS)”, Equine Vet. Educ.; 1: pp. 122-134

Andrews FM, Buchanan BR, Elliot SB, Clariday NA, Edwards LH (2005), “Gastric ulcers in horses”, J. Anim. Sci.; 83(E. Suppl.): E18–E21

Bertone JJ (2000), “Prevalence of Gastric Ulcers in Elite, Heavy Use Western Performance Horses”, AAEP Proceedings 2000, vol. 46

Campbell-Thomson MC, Merrit AM (1987), “Effect of ranitidine on gastric acid secretion in young male horses”, Am J Vet Res; 48: pp. 1511-1515

Chris Sanchez L (2004), In: Reed SM, Bayly WM., Sellon DC., Equine Internal Medicine 2nd ed. Philadelphia, PA: Saunders Elsevier (USA); pp. 863-873.

Coenen M (1990), “The occurrence of feed-induced stomach ulcers in

Horses” Schweiz. Arch. Tierheilkd. 132: pp. 121–126.

Dionne RM, Vrins A, Doucet MY, Paré J (2003) “Gastric ulcers in Standardbred racehorses: prevalence, lesion description, and risk factors”, J. Vet Intern Med.; 17: pp. 218-222

McClure SR, Glickman LT, Glickman NW (1999) “Prevalence of

gastric ulcers in show horses”, J Am Vet Med Assoc;

215: pp. 1130–1133.

McClure SR, Murray MJ, Caritheres D, Gross SJ, Hoslste J (2005) “Gastric Ulceration in Horses Exposed to Training and Activities Typical for Recreational Showing”, AAEP Proceedings 2005, vol. 51, Iowa State University

Michell RD (2001), “Prevalence of gastric ulcers in hunter/jumper and dressage horses evaluated for poor performance”, in Proceedings. Annual Meeting of the Association of Equine Sports Medicine 2001; pp. 74-77

Murray MJ (1994), “Gastric ulcers in adult horses”, Comp Cont Educ Pract Vet; 16: pp. 792-794, 797

Murray MJ (2002), In: Smith BP: “Large Animal Internal Medicine” 3rd ed. Philadelphia, PA: Mosby Elsevier; pp. 617-621

Murray MJ, Grodinsky C, Anderson CW, et al. (1989) “Gastric ulcers in horses: a comparison of endoscopic findings in horses with and without clinical signs”, Equine Vet J.; 7 (Suppl): pp. 68-72

Murray MJ, Grodinsky C (1989), “Regional Gastric pH measurements in horses and foals”, Equine Vet Suppl.: pp. 73-76

Murray MJ, Pollmeier MG (2005), “Gastrointestinal Disease and Competition, In: 9e Congrès de Médecine & Chirurgie Equine de Genève / 9. Kongresses für Pferdemedizin & Chirurgie in Genf / 9th Congress on Equine Medicine & Surgery in Geneva, Chuit P. and Montavon S. (Eds.). International Veterinary Information Service, Ithaca NY (www.ivis.org), Last updated: 15-Dec-2005; P1926.1205 [online] (cited May 5th, 2007) Available from: www.ivis.org

Nadeau JA, et al. (2000), “Evaluation of diet as a cause of gastric ulceration in horses” AJVR, 61, 7: pp. 784-790

Nadeau JA, Andrews FM, Patton CS, Argenzio RA, Mathew AG, Saxton AM (2003a), “Effects of hydrochloric, acetic, butyric, and propionic acids on pathogenesis of ulcers in the nonglandular portion of the stomach of horses”, Am. J. Vet. Res.

64: pp. 404–412.

Nadeau JA, Andrews FM, Patton CS, Argenzio RA, Mathew AG, Saxton AM (2003b), “Effects of hydrochloric, valeric and other volatile fatty acids on pathogenesis pathogenesis of ulcers in the nonglandular portion of the stomach of horses”, Am. J. Vet. Res. 64: pp. 413–417.

Nappert G, Vrins A, Larybyere M (1989), “Gastroduodenal ulceration in foals” Compend Cont Educ Pract Vet; 11: pp. 345.

Orsin JA, Pipers FS, (1997), “Endoscopic evaluation of the relationship between training, racing, and gastric ulcers”, Vet Surg 26: pp. 424

Picavet M-Th (2002), “Equine Gastric Ulcer Syndrome”, Proceedings of the First European Equine Nutrition & Health Congress, Feb. 9, 2002 – Antwerp Zoo,

Belgium. [online] (cited May 8th, 2007) Available from: www.ivis.org

Sandin A, Skindell J, Haggstorm J, Nilsson G (2000), “Post mortem findings of gastric ulcers in Swedish horses older than age one year: a restrospective study of 3715 horses”, (1924-1996), Equine Vet J. 32: pp. 36-42

Smyth GB, Young DW, Hammond LS (1998), “Effects of diet and feeding of post-prandial serum gastrin and insulin concentrations in adult horses”, Equine Vet J. Suppl 7: pp. 56-59

Sorbye H, Svanes K (1994), “The role in blood flow in gastric mucosal defense, damage and healing”, Digest Dis; 12: pp. 305-317

Graph 1: The stomach of the horse, Kenney D (2004), “Gastric ulcers in adult horses”, Ministry of agriculture, food and rural affairs, Ontario [online]

(cited January 20th, 2007) Available from: http://www.omafra.gov.on.ca/english/livestock/horses/facts/info_gastric.htm#top


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien